Schilfernte mit der Sense

Ein Projekt der Steirischen Landesvogelschutzwarte, ARGE natur & land und Sensenlehrern

NATURA 2000  Gebiet Furtner Teich, Neumarkt in der Steiermark


Im Europaschutzgebiet Furtner Teich machen sich fünf Männer an ein ungewöhnliches Projekt. Zwei Sensenlehrer, der Europaschutzgebietsbetreuer (Amt der Stmk. Landesregierung) und zwei vom regionalen Naturschutzverein der ARGE natur & land. Sie werden testen, welche Sensenmodelle gut für die Winter-Ernte von Schilf geeignet sind.

Schilf ist ein Geophyt und kommt im Röhricht stehender und fließender Gewässer aber auch in Mooren und Bruchwäldern vor. Es ist sehr vital und vermehrt sich vegetativ über Rhizome oder wurzelnden Halmknoten.
Die Entfernung der vorjährigen Schilfhalmen erfolgt hier im Mündungsbereich des Adendorferbaches aus ökologischen Gründen zur Offenhaltung von schlammigen Ufern, die sonst am Furtner Teich nicht mehr vorhanden sind.
In früheren Zeiten wurde Schilf und Sauergräser häufig als Einstreumaterial für die Viehhaltung geerntet und auf diese Weise das Offenhalten von flachen Uferzonen oder sumpfigen Wiesen gewährleistet. Die Vögel hatten dadurch offene Böden zur Futtersuche. Heute wird Schilf auch noch geerntet. Hauptsächlich für Sichtschutzmatten oder Putzträger beim Lehmbau. Auch als nachwachsendes Dämmmaterial, das regional reichlich vorhanden ist, gewinnt es zunehmend an Bedeutung.
Die Ernte der abgestorbenen Halme erfolgt ausschließlich im Winter, wenn der Boden gefroren und auf dem Wasser eine ausreichend dicke Eisdecke gewachsen oder der Boden gefroren ist. In der Regel mit Maschinen, die allerdings die Gefahr von schweren Umweltschäden im Wasser bergen und eine nicht unerhebliche Lärmbelastung und Irritation für die örtliche Fauna darstellen. Am Furtner Teich überwintern z.B. Bekassinen, Zwergschnepfen, Eisvögel, Teichhühner aber auch Wasserrallen wurden bis spät in den Dezember beobachtet. Deshalb sollten offenen Wasserbereiche oder Fließgewässerabschnitte auch im Winter nicht zu sehr gestört werden.

Schilfverwertung und hohe ökologische Ansprüche sind kein Widerspruch

Ein Projektbericht von Erwin Zachl, Sensenlehrer und diplomierter Permakulturgestalter

Die Idee ...

Alle und alles bereit zum Start!der beiden Sensenlehrer, dem Schilf mit Sensen zuleibe zu rücken, wurde vom Leiter der Vogelschutzwarte am Furtner Teich, Peter Hochleitner mit Begeisterung aufgenommen. Hochleitner und Erwin Zachl hatten sich ursprünglich über einen alten schottischen Stich, bei dem Schilf und Rohrkolben mit der Sense gemäht wurde ausgetauscht. Daraus entstand die Idee, die nötigen Schilfmäharbeiten mit Sensen arbeitstechnisch und auch aus ökologischen Gründen zu optimieren.
Ende Jänner war die Eisdecke etwa 20cm dick und perfekt tragfähig. Das Versuchsprojekt wurde gestartet.
Eine Fläche von etwa 350m² sollte abgemäht, das Schilf zur weiteren Verwertung ans Ufer gebracht und zwischengelagert werden.

 

Ausgangsbasis

Ausgewählte SensentypenZwölf verschiedene Sensenmodelle wurden ausgewählt. Sie sollten einem Härtetest unterzogen werden. Die altständigen Schilfstengel vom Vorjahr sind zwischen drei und acht Millimeter dick und verholzt – allerdings sehr spröde.
Diese Verholzung und auch der Durchmesser der Halme sind eine Herausforderung an das Sensenblatt. Eine normale Gartensense schafft das nicht.
Sensenmontage auf dem spiegelnden EisAlso wurden verschiedene, mehr oder weniger schwere Sensenblattmodelle ausgewählt, aber auch eine ganz normale Grassense.
Gemäht wurde mit den verstellbaren Standardwürfen. Eine ungewöhnliche Situation für die beiden Sensenlehrer. Ende Jänner mit den Sensen auszurücken ist eine Premiere. Beide haben ein wenig Erfahrung beim Mähen von sehr langem (über zwei Meter) Roggenstroh.
Schilf ist meist auch höher als zwei Meter. Die Halme stehen nicht so eng, wie Gras oder Getreide, zwischen acht und zwölf Zentimeter Abstand zwischen den Halmen. Nachdem es wochenlang nicht geregnet hatte und auch kein Schnee lag, war es völlig trocken. Das Schilf verholzt aber keineswegs sehr hart, ist spröde und lässt sich relativ leicht mähen.
Die Geräusche beim Mähen sind neu. Hartes Rattern der Sense durch das Mähgut ist vernehmbar.
Zunächst war das Ausbringen der Halme zu einer vernünftigen Mahd etwas mühselig. Gewohnt, eine sehr breite Mahd von zwei Metern und mehr einzuhalten, stellte sich das Schaffen von Mähgutzeilen als unmöglich heraus. Schmale Mähstriche, etwa 1/2 - 1 Meter breit, erwiesen sich als praktikabel. Ab dann funktionierte die Anlage von Mahdzeilen einigermaßen. Dennoch lag schlussendlich das gesamte Mähgut ziemlich durcheinander am Boden.
Die angestrebte Mähleistung von etwa 300-350 m² wurde von den vier Mähern in weniger als einer Stunde erledigt. Also vier Mannstunden!
Das Schilf ist deutlich über MannshochMit der Motorsense braucht eine Person für dieselbe Flächenleistung rund 1,5 Tage, also 12 Mannstunden. Der Vergleich ist etwas ungenau, da keine exakten Aufzeichnungen über die Arbeitszeit existieren.
Abgesehen von der enormen Zeitersparnis war das Mähen mit der Sense sehr geräuscharm und ökologisch völlig unbedenklich.
Wenn nun noch die Kosten und Wartung einer Motorsense mit den Pflegekosten einer Sense verglichen werden, ist die Sense eindeutiger Gewinner!
Eine gute Sense kostet etwa € 130,00, mit entsprechendem Serviceequipment maximal € 200,00. Bei entsprechender Pflege kann eine Sense mehrere Jahrzehnte verwendet werden.
Eine gute Motorsense kostet mindestens € 500,00. Dazu kommt noch die entsprechende Schutzausrüstung, die nicht unter € 300,00 kostet. Selbst bei bester Pflege und teurer Wartung, ist eine Motorsense nach 50 Arbeitsstunden netto, defekt.

Eis, Schnee & WärmeWerkzeugtransport über das spiegelnde Eis

Das Wetter zeigte sich für den Versuch von der allerbesten Seite. Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Um ca. 12 Uhr gemessene Temperatur, ein Meter über dem Eis: 24°C.
Ein weiterer Vorteil für die Arbeit war das völlige Fehlen von Schnee, das sehr trockene Schilf und die glatte Eisfläche. Diese Tatsache erleichterte das Sammeln des Mähgutes und dessen Abtransport zum Ufer.

Vorläufiges FazitMähderfrühstück bei der Vogelwarte

Insgesamt war das Schilfmähen eine relativ entspannende Tätigkeit. Wenn mehrere Personen teilnehmen wird niemand überfordert oder gestresst. Die völlig ebene Arbeitsfläche tat ihr Übriges. Bis auf das glatte Eis, wo es durchaus Probleme beim Montieren der Sensen oder beim Wetzen gab (es fehlte ein Eisenstift am oberen Ende des Wurfes - zum fest Hinstellen), sowie überhaupt beim Gehen über das Eis, gab es keinerlei Einschränkungen beim Arbeiten.
Von Vorteil war auch dass zum Zeitpunkt der Mahd kein Schnee lag und dadurch nicht unter Wasser stehende Abschnitte bis zum Boden bearbeitbar waren. Das Schilfmähen hat allen Teilnehmern im Grunde sehr viel Spaß gemacht. Eine Tatsache, welche die Sensenlehrer auch von anderen Mähprojekten kennen, wo es durchaus auch anstrengend sein kann (Bergmähder).
Das traditionelle Mähderfrühstück hatte sich ein wenig nach hinten verschoben. Daher hat es umso besser gemundet. In sehr freundschaftlicher Weise wurden die Erkenntnisse des Vormittages besprochen und die wichtigen Parameter protokolliert.

Transport des Mähgutes

Der Abtransport des Schilfes zum Ufer erfolgte in Ermangelung von Erfahrungswerten zunächst eher stümperhaft.
Es waren zuwenig brauchbare Werkzeuge vorhanden. Mit Rechen kann gemähtes Schilf kaum bewältigt werden. Mit Gabeln schon deutlich besser.
Zu Beginn wurde jeweils eine Menge von etwa 200kg auf eine Plastikplane gehäuft und zum Ufer gezogen. Dank der Spikes, die Hansjörg an seine Schuhe aufgezogen hatte, ging das zwar mühsam, aber doch halbwegs befriedigend.
Dennoch war das mehrmalige Bewegen des sperrigen Mähgutes keine effiziente Lösung des Abtransportes. Schließlich wurde jeweils ein sehr großer Haufen Schilf aufgetürmt. Geschätzt etwa 400kg schwer.
Diese Haufen konnten zu zweien oder dreien mit Gabeln problemlos die 200 Meter bis zum Ufer geschoben werden. Das spiegelglatte Eis erleichterte die Arbeit enorm.Schilftransport durch Verschub

Bewertung der Sensenblätter

Die verschiedenen Sensenmodelle wurden nach verschiedenen Kriterien bewertet:

  1. Gewichtsmerkmale und Schwungmasse
  2. Schnittverhalten und Schnittergebnis
  3. Schneidhaltigkeit
  4. Handling des Modelles aus der Länge resultierend

Eine ausführliche Bewertung kann beim Autor erfragt werden.
Zunächst wurden die verschiedenen Modelle so unvoreingenommen wie möglich angewendet, um erst einmal das Handling zu ermitteln. Gleich zu Beginn stellte sich heraus, dass die Sensenblätter sehr eng in den Zirkel gestellt werden müssen. Mindestens 8-10cm nach innen! Je länger das Blatt, desto kleiner muss der Zirkel sein. Bei manchen Sensen musste die Hamme soweit zugerichtet werden, dass dieser enge Zirkel überhaupt möglich war.
Im folgenden Durchgang stellte sich ganz klar heraus, dass kürzere Sensen bessere Ergebnisse lieferten.
Bis auf eine, sehr dünn geschmiedete Streusense von Falci hatten alle Sensen eine gute Schneidhaltigkeit, auch die 60cm Grassense.
Sehr gut schnitten die schweren, dicken Gartensensen von Ofner, die nicht gedengelt, sondern geschliffen waren ab, sowie die breiten Blätter „deutsches Reichsformat“, mit Bartbreiten bis 12cm. Hier zeigte sich die große Schwungmasse positiv.
Die skandinavische Schleifsense war definitiv zu lang, obwohl die Schnittleistung ausgezeichnet, jedoch durch die Länge von 70cm nicht gut kontrollierbar war.
Am Ende waren die beiden Favoriten aller vier Mäher die „gefühlt“ leichte Standard - Streusense mit 50cm Länge und einem Gewicht von 529g, sowie die eher als „schwer“ angenommene Posthorn-Schleifsense mit ebenfalls 50cm Länge und allerdings 522g Gewicht.
Zum Test wurde eine fabriksneue Streusense von Schröckenfux verwendet, die Schleifsense zunächst mit einem wassergekühlten Rundschleifstein vorgeschliffen und anschließend mit einem Diamantpad feingeschliffen. Für die kommende Verfeinerung dieses Testes wird die am stärksten gekrümmte Schleifsense ausgesucht und „scharf“ gemacht.

2. Testtermin, 3. Februar

Drei Sensenmodelle waren also in der engeren Auswahl:

  1. Streu- und Staudensense 50 cmDie klassische Streusense, ein robustes, relativ breites Sensenblatt, das sich durch seine Kürze sehr gut an Unebenheiten anpasst. Zu achten ist allerdings auf einen sehr schmalen Dengel.
  2. Eine kurze Schleifsense, die der amerikanischen Form nachempfunden ist. Die Unterseite des Blattes ist hohl geschmiedet. Im ersten Fall ein Modell, welches relativ gerade ist. Die Schneide wird nur geschliffen und kann per Hand nicht gedengelt werden.
  3. Schleifsensen 50 cmDie gleiche Schleifsense wie oben, In diesem zweiten Fall ein Modell, welches stark gebogen ist. Die Schneide wird ebenfalls nur geschliffen und kann per Hand nicht gedengelt werden.

Der Test

Zunächst wurden alle Modelle mit dem maximal einstellbaren Zirkel nach innen gestellt.

  1. maximal nach innen
  2. neutral, quasi auf Null.

Es wurde bei allen Einstellungen ein Keil verwendet. Mähgut: Schilf, Riedgras, Rohrkolben.

Streusense:

  1. Schwungmasse gut, fädelt schlecht ein. Eher schwache Leistung, nicht zufriedenstellende Mähzeile.
  2. Gut ausgewogene Schwungmasse. Sehr gute Spurführung. Sehr gute Leistung, schöne Zeile. Beide Male gewetzt mit Bergamasca-Naturstein.

Schleifsense „gerades Modell“:

  1. Gute Schwungmasse. Ausgezeichnetes Schnittverhalten, gute Mähzeile
  2. Wie erwartet, kein gutes Schnittverhalten - „drückt“.

Schleifsense „gekrümmtes Modell“:

  1. Gute Schwungmasse. Schwer zu führen, verlangt sehr viel Krafteinsatz. Passt einfach nicht. Unakzeptable Mähzeile. Die Einstellung mit maximalem Zirkel nach innen stellt allerdings einen Vorteil beim Mähen im Unterholz dar, vor allem dann, wenn sehr wenig Platz zum Ausholen vorhanden ist. Im Unterholz oder engen Lichtungen ist dieses Modell zu bevorzugen.
  2. Unerwartet einfach, mit wenig Krafteinsatz zu führen. Deutlich besser verteilte Schwungmasse. Sehr gute Mähzeile. Im Unterholz und auf engen Lichtungen zeigt diese Einstellung deutliche Mängel - „fädelt“ schlecht ein.

Beide Modelle wurden mit einem Bergamasca-Natursandstein gewetzt.

Ergebnis und Eindruck

Alle drei Sensenmodelle sind für den Gebrauch im Schilf, Riedgras und Rohrkolben sehr gut geeignet. Unterschiedliche Einstellungen und Berücksichtigung der Einsatzzwecke sind aber Voraussetzung. Werden diese beachtet, können ausgezeichnete Mähleistungen erzielt werden.
Der Unterschied zu Maschinen/motorbetriebenen Geräten ist signifikant.

  • Bessere Mähleistung (Fläche)
  • Kaum Lärmbelastung (Irritation der Fauna)
  • Keinerlei Umweltbelastungen (Öl, Benzin)
  • Deutlich besseres Preis/Leistungsverhältnis
  • Entspanntes Arbeiten, auch in der Gruppe möglich.

Das Team:

  • Peter Hochleitner, Europaschutzgebietsbetreuer, Amt der Steiermärkischen Landesregierung
  • Gerhard Fötschl, Obmann ARGE natur & land (www.natur-land.at)
  • Klaus Steinbrugger, Mitarbeiter ARGE natur & land
  • Hansjörg Rinner, Sensenverein Österreich (www.sensenverein.at)
  • Erwin Zachl, Sensenlehrer (www.bio-ernteland.at)
     

 

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